Auf leeren Straßen

Meine Gedanken sind gerade irgendwo ganz anders – irgendwo im Nirgendwo. Ich weiß gerade weder ein noch aus. Und zwischendurch die Rufe, Zwischenrufe, Jubel, Schreie, Jubelschreie, aber noch voller Erwartung.

Die Straßen sind wie leer gefegt. Wo sind die ganzen Menschen hin? – das muss wohl Deutschland zur Zeit der WM sein. Das ist Deutschland: Du triffst keinen Menschen mehr. Und jene, die du triffst sind im Taumel, sind hin und her gerissen und hasten schnell noch schnurstracks in ne Richtung.

Ich fahre hier noch so daher. Ich denke an das Bevorstehende, die großen Erwartungen in meinem Leben, hin und wieder an die Mannschaft – das geht halt alles überein: Der eigene Stress und der Stress, welcher auf dieser Mannschaft liegt.

Schnell und schneller müsste ich zu Hause sein, um das Spiel zu sehen. Läuft schon. Läuft sicher schon seit fünf Minuten, zehn Minuten. Ach egal! Ich zerbreche mir grad den Kopf über gestern, heute, vorgestern. Was war denn das nochmal fürn Scheiß? Musste das sein? Und außerdem … ob sie heute gewinnen? Ob die das heute mal gefälligst rausholen, was die am vergangenen Wochenende verpatzt ham? Kann ich das wieder rausholen, was ich diese Woche verpatzt hab?

Erwartungen. Die Erwartungshaltung ist immer da – gerade verfliegen sie wie im Wind im flotten Strampeln des Fahrrads – meines. Zwischendrin immer mal Rufe, Lauten und Trompeten – das Spiel hat längst begonnen. Ich fahre entspannt. Keine Hektik! Heute bloß nicht mit Hektik spielen, Jungs! Sonst wird’s wieder so ne Blamage wie letztes Mal. Ich will auch keine Blamage.

Die Straßen sind sonst ganz leer – leer gefegt. Nicht mal im entferntesten ein heißer Feger unterwegs. Rufe, Zwischenrufe, Jubel und doch mal Freudenschreie eines heißen Fegers. Da muss wohl ein Tor gefallen sein. Für wen? Keine Ahnung. Die Gedanken verschwimmen auf der Freiheit des Rades. Kein Stress mehr. Keine Panik. Keine Hektik! Dann schießt ihr das Tor.

Deutschland zur WM – die Straßen sind verstorben. Ich bin frei – fühle mich so richtig frei. Irgendwas ist heute doch passiert. Ich kanns nicht ganz beschreiben. Könnt ihrs mir sagen? Wars das Spiel? Wars der Sieg? Oder trödel ich grad einfach nur wieder zu sehr in einem Wirrwarr aus Kopfkino umher?

DagroLe 23.6.2018

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Schöne Fassaden (Teil 1)

Leben in der Lepzeberger

Es ist so warm wie in einer Sommernacht, dabei müsste es doch winterlich sein. Die Fassaden wurden schön gemacht über die vielen letzten Jahre. Mal ist ein Haus blau, mal ist es grün, mal auch rot – eben richtige Farbtupfer hier in der Lepzeberger Straße. Schaut man sich die alten Prunk- und Stuckfassaden jedoch genauer an, so wird man auch ihre Augen entdecken und ihre Brillengläser – die Fensterscheiben – die sind wie Augen und Brillen der Häuser. Diese Brillengläser hat schon lange niemand mehr sauber gemacht. Die Fenster der reichen Gründerzeithäuser weinen vor Dreck. „Uns hat schon lange niemand mehr sauber gemacht“, sagen sie uns – Nein! Sie schreien es sogar. Und dennoch: Niemand bemitleidet sie. Sie sind und bleiben Dreck, genauso wie der Dreck, welcher hinter ihren schmutzverschmierten Glase wohnt. Dreck, für den sich niemand mehr interessiert, der vor sich hin mieft, Dreck, der einmal Mensch war und zu irgendwas verkommen ist. Und dafür kann er meist nicht mal was. Unverschuldet, aber auch selbst verschuldet. In vielen Fällen zumindest hoch verschuldet.

Die Lepzeberger Straße hat ein dickes Problem. Sie hat auf dicke Hose gemacht – schon früher. Früher wurden diese Prachtbauten der Gründerzeit gebaut und waren jedoch nichts weiter als Mietskasernen der armen Leute. Und dann im großen Rausch des neuen Landes sollte die Straße wiederum zur Prachtstraße, zur Schlossallee werden. Das waren große Pläne vor nun bald 30 Jahren. Ja. Die Bauten sind richtig nobel, schnieke und fein geworden. Auch die Straße wurde auf Vordermann gebracht, augenscheinlich von mittelalterlichen Zuständen mit Pflasterstein und Bodenwellen in die asphaltierte Neuzeit verwandelt. Doch was bringt das alles, wenn dann die Fenster nicht geputzt werden? Das ist das Problem der Lepzeberger Straße. Die dreckigen Fenster? Nein, eben nicht. Sondern: Sie wollte und will immer noch auf dicke Hose machen. Dabei kann sie selbst sich nicht heraussuchen, wer in ihr lebt.

Hier wohnen Bauken und Halunken, Rüpel und die Frau von nebenan, die man lieber nicht neben sich wohnen hätte. Das sind Wilde und Blinde, blind für die Welt. Sind sie doch eingesperrt in ihren vier Wänden, kommen mal raus, um sich was zu Fressen im Aldi zu besorgen, wenns heute nicht grad doch der Netto ist.

Und die Fenster putzt da niemand. Die putzt dann halt niemand – fehlt irgendwie, kommt man aber auch nicht drauf, wenn die Welt aus Fressen, Schlaf, Saufen, Party besteht. Und keiner will was damit zu tun haben. „Hey! Ihr da in der Lepzeberger. Ihr seid Halunken. Ihr macht den Ruf unserer Stadt zunichte. „Aber was könn sie schon dafür? Irgendwohin müssen sie ja. Gibs ja in jeder Stadt, arme und verwahrloste Menschen. Müssen halt wohin, dann wegsperren in die Wohnung und wegschauen. Hört ihr? Wir müssen nur wegschauen, wenns um diese Leute geht.

Und irgendwann machen wir die Lepzeberger wieder schön. Die hauen schon irgendwann wieder ab. Einfach Mieten erhöhen. Dann machen wir uns die Lepzeberger wieder richtig schön, zur Prachtstraße unserer Stadt, weil das bringt das richtige Geld. Nicht irgendwelche Menschen, die nicht nur verloren haben, sondern keine Menschen mehr sind.

Schlimm genug, dass wir so über diese Menschen denken. Und wir können nur so über sie denken, weil wir wohl behütet und abgeschottet von diesen leben. Sind wir nicht gleiche Halunken wie diese, eben nur auf andere Weise?

DagroLe 11.6.2018

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Blaue Augen

Schön warst du – nur einmal, kein Mal. Deine schönen blauen Augen, gerade mal mit deinen zwanzig Jahren. Und wo bist du nun? Wo stehst du jetzt? Müde und erschöpft siehst du aus, mein Freund, mit deinen dreißig Jahren. Die blauen Augen sind immer noch, doch verschlafen sehen sie aus, abwesend verträumt – mit Zwanzig waren sie noch voller Träume. Jetzt leben sie, taumeln hin und her, leben jeden Tag, nur das er schnell wieder vergehe. Als das Schöne bleiben nur noch wahre Träume, weil du in diesen wirklich frei sein kannst und in welchen du die leibhaftige Welt vergisst.

Mein Freund. Was ist los mit dir? Was ist dir geschehen? Wo sind die schönen blauen Augen hin, welche mit vollem Tatendrang und so ganzer Energie … jetzt dahin – jetzt sind sie dahin. Wohin? Wohin sind sie nur? Du bist nun an die vierzig Jahre. Verschlafen und leer sehen deine Augen aus. Hast du immer noch nicht den Weg ins Leben gefunden? Lebst du immer noch den Tag ein und aus? Und kommt trotzdem nichts dabei raus – Stimmts? Deine blauen Augen sind immer noch so hell und klar, doch ihr umliegender Vorhang, der Bühnenvorhang deines Lebens, sieht verlassen und leblos aus.

Nun also? Mein Freund? Wo bist du? Wo stehst? Wo bist du jetzt? Bist du bei mir? Bin ich bei dir? Egal. Denn am Resultat deines bisherigen Lebens ändert sich nichts. Du bist nun sechzig Jahre alt. Alt und verbittert schaust du und deine einst so schönen blauen Augen drein. Einst so voller Wünsche, bist du nun immer noch allein. Kann dir helfen? Kann ich nicht. Verloren hast du all dein reiches Gesicht.

Mein Freund. Deine blauen Augen … blaue Augen … und Schönheit – mehr war da nicht. Du hast dir mal eingebildet, dass da mehr gewesen wäre. Doch da waren immer nur diese blauen Augen, welche dir Tür und Tor geöffnet haben. Und dennoch stehst du nun leer … leer – da. Und zwar irgendwo.

Skydog90 31.5.2018

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Ein schnelles Träumen in einer Straßenbahn (Telan Devik – You win)

Straßenbahn – zaghafter Blick nach rechts – ein schöner Mann. Nein! Zwei schöne Männer. Zwei schöne Kerle die miteinander turteln. Ganz zaghaft, dann immer aufregender. Dieser Reiz des Öffentlichen macht es umso riskanter, waghalsiger und … Ja! Man will es einfach … will es reizen, will es ausreizen. Spannung steigt in den Blicken – blaue Augen, braune Augen – ein Lächeln, zwei Lächeln …

Und schon sitzen beide im Cafe. Alles läuft so schnell wie ein Film, der schnell nach vorne spult. Die Tassen fliegen, knallen wieder auf den Tisch auf. Beide Kerle – alles so schnell – wie zwei Zappelphilipp. So schnell geht das Leben. So schnell geht das Lieben. So schnell geht auch das Hassen wieder.

Schnell läuft das Leben an beiden vorbei. Erst zusammenziehen, dann mal Dreck und Leid. Danach möchten sie sich unendlich wieder verstehen. Und zwischendurch immer wieder in dieses Cafe – dieses Cafe des ersten Treffens.

Die Uhr des Lebens dreht sich ungeheuerlich und lässt keine Ruhe. Wie ein mitreißender Sturm bringt uns dieses Leben durcheinander, finden keinen Halt. Und unsere beiden Kerle versehen sich – die Jahre vergehen. Gemeinsames Leben, Leid und Glück, Affäre und Miststück – Leben geht weiter – heiter.

Die Uhr des Lebens dreht sich um beide, reißt sie mit in einen Sog aus Träumen, Wünschen, Erinnerungen und immer wieder dieses Cafe – die Zeit vergeht so schnell. Verdammt! Die Zeit vergeht so schnell. Und beide versehen sich. Nur wieder dieses erste Treffen im Cafe.

Ein Blick nach rechts. Es war nur schnelles Träumen. Ein Wunsch. Dieser kurze Schuss im Kopf, der einem glauben lässt, den einen Mensch fürs Leben zu erblicken. Doch alles viel zu schnell – zu schnell ist dieses Leben. Es bleibt nur Zeit für diesen kurzen Traum, in welchen man sich ein ganzes Leben ausmalen kann.

Und letztlich ist es dann doch nur ein Blick nach rechts in zwei blaue Augen, in einer Straßenbahn.

Ein Handy flott an der Hand und die blauen Augen lächeln schon nicht mehr.

Ist der Tritt nach draußen.

Ist der andere wieder allein.

Skydog 27.5.2018

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Ein und dasselbe Album hoch und runter

Ein und das selbe Album hoch und runter

 1.Abschnitt

Das kann doch wirklich langsam nicht mehr wahr sein. Jetzt hört der seit gestern ein und das selbe Album hoch und runter. Nicht das er mich nur um den Schlaf gebracht hat. Langsam kann ich wirklich schon jedes Lied mitsingen – mein Bett muss sich ja auch noch unbedingt an der Wand befinden, auf deren anderer Seite seine Boxen positioniert sind.

Ich hatte ja schon oft genug diesen Spaß mitgemacht. Doch dieses Mal reicht es langsam. Er scheint ja sonst einen guten Musikgeschmack zu haben, bin ich doch, abgesehen wenn ich lernen möchte, für seine Musikuntermalung auch ab und an sogar dankbar. Ja, er hat sogar den gleichen Musikgeschmack wie ich. Ich muss ihn unbedingt mal kennenlernen.

Aber dieses Album, welches nun schon seit gestern Abend läuft, ist mir vollkommen unbekannt, es ist nicht mein Style und es geht mir einfach langsam tierisch auf die Nerven. „This … this must be a dream … this this must be a dream …“ – oh man. Ich bekomme diesen scheiss Song einfach nicht mehr aus den Kopf. Schuld ist er und ich werde dem jetzt ein Ende setzen. Wer hört sich denn auch seit guten 13 Stunden ein Album in Endlosschleife an? Naja, vielleicht wenn es ein richtiges Hammeralbum wäre. Aber dieses? Das hört wie gequirltes Nichts an. Etwas sentimental, aber nicht wirklich schön stimmig, sondern einfach nur diffus. „Givin all to … givin all to you“ – wie einen Musikplayer schalte ich schon in Gedanken zum nächsten Lied über. Es reicht jetzt, ich klingel bei ihm.

Er macht nicht auf, dieser faule Hund. Der pennt bestimmt noch. Nur dieser dumme Song „There is snow in your eyes“. Da Di Di Da Dee „snow in your eyes. You are really hypnoticed“. Man ey, der kann sich was anhören. Doch hier kann ich sturmklingeln wie ich möchte – er macht einfach nicht auf.

Oh! Da kommt gerade meine Nachbarin, der werd ich jetzt erstmal meine Meinung pfeifen. Ach, sie nimmt mir ja schon alles vorweg: „ Willst du dich auch bei dem Kerl beschweren? Ich kanns jetzt langsam nicht mehr hören. Also ich bin ja geduldig – aber das?“

„Das Problem ist nur das er nicht auf macht.“

„Immer noch nicht? Ich habe es vorhin auch schon probiert.“

„Komm lass uns den Hausmeister holen und uns beschweren. Mir reichts.“

Und mein Kopf spielt weiter und freudig diverse Songs einer 1001 – Nacht ab. „This fealing is you mistake … yes a mistake and you can`t change …“

„Was singst du denn da?“

„Ach egal. Komm wir holen schnell den Hausmeister und dann ist das auch hoffentlich in meinem Kopf vorbei.“

 2.Abschnitt

Ja toll! Jetzt klingelt der Hausmeister genauso blöde wie wir auch. Dazu hätten wir ihn ja nicht holen brauchen.

„Er macht nicht auf.“

„Ja, bei der Erkenntnis waren wir auch schon angelangt.“

„Ich werde mal etwas unschön an die Tür klopfen: „Schalten sie die Musik ab. Es haben sich hier welche wegen Ruhebelästigung beschwert.“

Es rührt sich immer noch nichts. Was ist denn da los? Langsam kommen mir echt Zweifel auf, ob sich da überhaupt jemand im Zimmer befindet. Hat sich die Anlage etwa selbstständig gemacht und ist wie durch Geisterhand angesprungen? A ghost by my side is an other wide

„Vielleicht ist er gar nicht mehr da und hat nur vergessen seine Anlage auszumachen.“

„Ich könnte natürlich mit meinem Schlüssel aufmachen und schauen was los ist – aber das kann ich doch nicht einfach.“

„Jetzt machen sie schon die blöde Tür auf, sonst kann ich für nichts mehr garantieren.“

„Sie hat Recht. Machen sie auf. Da können wir den Kerl gleich mal unsere Meinung geigen.“

„Aber vielleicht hat er seine Gründe, warum er nicht aufmacht.“

„Ja, sind sie nun der Hausmeister oder nicht? Sie sind doch dazu da auch für Ruhe und Ordnung im Haus zu sorgen.“

Jetzt schaut er mich auch noch verwundert an … for a minewhile dancing in the … in the sky… „Jetzt machen sie dem endlich ein Ende.“

„Ist ja gut. Sie müssen mich ja nicht gleich so angeifern.“

Komm schon, komm schon – schließ auf du alter Knacker. Na endlich. So! Ich husche gleich am Hausmeister vorbei und dann kann der süße Wichser sich aber mein Ständchen anhören.

Man, das sieht hier aber echt ordentlich und sauber aus. Hätte den ja mal gar nicht so eingeschätzt. Vielleicht hat er extra sauber gemacht für Frauenbesuch. „Hahaha“

„Was gibs zu lachen?“

„Ach egal.“ Wo ist er denn nun. Ah dort am Schreibtisch.

„Na du kannst dir jetzt aber was von mir anhören Freundchen. Weißt du das ich mich die ganze Nacht mit deinem Schrott- Album rum geplagt habe. Was ist das eigentlich? Trash für Minderbemittelte? Drehst du dich vielleicht mal um, wenn ich mit dir rede.“

Jetzt reichts aber. Der scheint sich wohl echt was auf sein Ego einzubilden. Sitzt dort gemütlich am Schreibtisch und kehrt uns seinen breiten, sexy Rücken zu. Und wegen ihm die ganze Zeit diese Musik .You will be suprized … suprized when you see my eyes …

„Jetzt schau mich an wenn ich mit dir … Aaaahhhh … Oh mein Gott….“

Zurück! Ich fass es nicht. Kann das jetzt wirklich sein?

„Was schaust du so entgeistert?“

„Er ist tot.“

 3.Abschnitt

Ich sinke auf sein Bett zurück. Ich kann es nicht fassen. … midnight so early … midnight my time…

Alles ist wie in Trance. Ich sehe den Hausmeister und das Mädchen, wie sie raus rennen um Hilfe zu rufen. Ich sehe bald entsetzte und zugleich gierige Gesichter, die die Sensation sehen wollen. Manche sehen mich so an, als hätte ich es getan – als wäre ich an allem Schuld.

Irgendwann kommt der Notdienst, der nur noch den Kopf schüttelt. Und ich sitze die ganze Zeit nur da und singe leise diese Songs, die sich unendlich in mich eingebrannt haben. Ich wiege mich auf dem Bett. Die anderen schauen mich wie blöde an – fragen sich wohl, wie ich jetzt noch was singen kann. Doch mir geht so viel mit einem Mal durch den Kopf. Dann sagt irgendeiner etwas von: „Selbstmord.“

Er hat sich also umgebracht. Umgebracht.

Ich liege auf seinem Bett und bemerke wie die Leute nach und nach hinaus geschickt werden. Er wird fort getragen und der Raum ist bald leer.

Doch ich liege noch hier, als hätte man mich vergessen. Und auch die Anlage läuft immer noch – etwas leiser, weil sie runter gedreht wurde.

So liege ich also hier, wohl immer noch benommen, von dem was geschehen war.

Ich singe die Songs leise mit.

„It is magical that we live … live here and now“

Das Album beginnt von neuem.

Ich singe mit – komme nur bis zum zweiten Lied.

Ich war eingeschlafen.

Skydog 10.1.2014

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Warum geht sie fremd?

Warum betrügt sie mich?

Tue ruhig so, als ob du mich mögen würdest. Ich kann dein Maskenspiel hinterschauen. Ich weiß das du nur ein was willst, du Hure. Und du bist dir auch nicht zu fein mit meinen Nachbarn fremd zu gehen. Und abends kommst du dann wieder bei mir an, schmeichelst mir und möchtest wieder ein wenig kuscheln. Zu mir kommst du nur, um mal kurz guten Morgen zu sagen und dann ruft schon wieder deine Begierde, du wildes Tier. Nicht das ich etwas dagegen hätte. Aber besteht unsere Beziehung nur aus deinen nicht stillbaren Bedürfnis? Sonst ist da nichts? Eine Beziehung ohne Liebe? Was ist das schon?

Soll ich dir mal was sagen: „Ich liebe dich“, und du weißt das es für manche Männer schwer ist, diese drei Wörter auszusprechen.

Ich glaube du jedoch liebst mich nicht. Du rennst ja zum Nachbarn und der gibt dir dann was du brauchst. Der machts dir dann, nicht wahr. Und ich? Ich bekomme dann eine kleine Kuschelrunde abends aus Mitleid.

Ich hatte überall die Hunderte von Metern Discounterregale nach den besten Liebesdrogen durchsucht. Doch Liebe mit dem gewissen Geschmack gibt es eben leider nicht.

Liebe mit Sahne, Liebe in Aspic oder mit Billy Boy, gibt es ja alles.

Aber Liebe mit Thunfischgeschmack oder was ja auch noch gerne genommen wird: Wild oder Pute? Vergiss es!

Wie kann man dein Herz gewinnen?

Wenn du mich nicht liebst, warum bist du dann noch hier?

Wieso leben wir noch zusammen?

Ich bin verliebt in dich. Das ist es doch.

Deine Augen, aber auch in deine sanfte Art bin ich vernarrt. Ich bin verliebt in deine geschmeidigen Beine und dein weiches Fell. Ich liebe dein Lächeln und deine kleinen Pfoten, die mich durch die Nacht hindurch massieren.

Wie gewinnt man das Herz seiner Katze? Hat man es vielleicht schon längst gewonnen, durch einen kurzen Klick einer neuen Futterdose?

Aber warum rennt Jessy dann zu meinen Nachbarn und holt sich ihre Extraration Liebe ab? Hauptsache Futter, stimmts!

 

Aber vielleicht sehe ich das mit dem Futter auch etwas verbissen. Immerhin schläfst du bei mir, massierst mich mit deinen Pfoten und schnurrst nur für mich. Obwohl? Du wirst auch den Nachbarn ein schönes Liedchen schnurren, solange er dir gibt was du begierig brauchst.

Doch ich glaube, dir fehlt es an nichts, mein gutes Tier.

Eher ich sollte mal eine frische Dose Futter essen, die nach frischer Verliebtheit schmeckt.

 

SKYDOG90                                                                                                     19.MAI 2011

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Darf Demokratie töten? – Osama Bin Laden

Darf Demokratie töten? – Osama Bin Laden – 

 Es ist noch nicht ganz zehn Jahre her, da konnten wir alle unsere Augen nicht trauen. Ich kam damals gerade aus der Stadt mit dem Rad und meine Mutter sagte mir es sei etwas ganz schreckliches passiert. Ich dachte schon, dass meine Mutter mal wieder extrem übertreiben würde und einen Elefanten aus einer Maus gezaubert hätte. Als ich dann die Bilder im Fernsehen sah, war mir das aber nicht mehr einerlei. Damals war ich elf Jahre und nun ist das beinahe zehn Jahre her.

 Einer der großen Drahtzieher ist nun getötet wurden und als erste Reaktion kam auch in mir der Gedanke auf: „Endlich haben sie den.“

 Über Jahre hatte man es verfolgt – Osama Bin Laden würde hier und dort gesucht werden und überhaupt sprach man auf einmal von der großen Gefahr des Terrorismus und seine ständige, gefährliche Gegenwärtigkeit. Der Terrorismus war nun irgendwie immer da, aber dann auch wieder nicht. Man nahm die Bombendrohungen ernster als vorher.

Und nun?

 Nun ist Osama Bin Laden getötet worden. Doch es wäre eine Illusion wenn nun die Gefahr durch den Terrorismus sein Ende finden würde. So wie damals der Terrorismus auf einmal für uns immer wieder gegenwärtig wurde, so wird er es auch ohne Bin Laden bleiben.

 Eine Genugtuung ist es, besonders für die Familien der Opfer des „Elften Septembers“.Doch Bin Laden war weder alleiniger Täter, noch ist klar ob die Tötung Bin Ladens nicht sogar neue Gewalt des Terrorismus schürt.

Jubelnde Menschen durchziehen die Straßen in den USA. Endlich hat man ihn erwischt. Aber ermordet? Man hört einige Menschen dort sagen, sie wöllten nichts als die Rache für das was Osama Bin Laden den USA angetan hätte. Sie seien jetzt zufrieden, dass dieser Verbrecher nun endlich gerichtet wurde.

Doch wieso schmücken sich die USA mit Recht und Demokratie, wenn sie so rigoros einen Menschen richten. Bin Laden war einer der übelsten Verbrecher auf Erden, doch hat nicht jeder nach demokratischen Regeln einen fairen Prozess verdient – selbst ein Terrorist, der das demokratische System verachtet?

 Die demokratischen Rechte gelten allgemein für jeden Menschen.

 Doch ist wohl irgendwann selbst die demokratische Schmerzgrenze erreicht? Wollen wir irgendwann nicht mehr jeden demokratische Rechte zugestehen?

 Den Jubel der Amerikaner kann man einerseits verstehen. Doch man hört eben auch Wörter die keine andere Bereitschaft zeigen als Aggression, Rache, gar Vergeltung, und zwar auf Seiten der Amerikaner.

 Es ist eine Illusion das der Terrorismus nun zu Ende geht.

Ebenso ist es eine Illusion das Demokratie nicht tötet und im Falle Bin Ladens richtet, ohne jedes Recht und ohne jeden Wert für den sie eintritt.

 Oder warum verteidigen wir die Demokratie gegen Terrorismus?

 SKYDOG90                                                                                                 02.Mai 2011

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