Ein und dasselbe Album hoch und runter

Ein und das selbe Album hoch und runter

 1.Abschnitt

Das kann doch wirklich langsam nicht mehr wahr sein. Jetzt hört der seit gestern ein und das selbe Album hoch und runter. Nicht das er mich nur um den Schlaf gebracht hat. Langsam kann ich wirklich schon jedes Lied mitsingen – mein Bett muss sich ja auch noch unbedingt an der Wand befinden, auf deren anderer Seite seine Boxen positioniert sind.

Ich hatte ja schon oft genug diesen Spaß mitgemacht. Doch dieses Mal reicht es langsam. Er scheint ja sonst einen guten Musikgeschmack zu haben, bin ich doch, abgesehen wenn ich lernen möchte, für seine Musikuntermalung auch ab und an sogar dankbar. Ja, er hat sogar den gleichen Musikgeschmack wie ich. Ich muss ihn unbedingt mal kennenlernen.

Aber dieses Album, welches nun schon seit gestern Abend läuft, ist mir vollkommen unbekannt, es ist nicht mein Style und es geht mir einfach langsam tierisch auf die Nerven. „This … this must be a dream … this this must be a dream …“ – oh man. Ich bekomme diesen scheiss Song einfach nicht mehr aus den Kopf. Schuld ist er und ich werde dem jetzt ein Ende setzen. Wer hört sich denn auch seit guten 13 Stunden ein Album in Endlosschleife an? Naja, vielleicht wenn es ein richtiges Hammeralbum wäre. Aber dieses? Das hört wie gequirltes Nichts an. Etwas sentimental, aber nicht wirklich schön stimmig, sondern einfach nur diffus. „Givin all to … givin all to you“ – wie einen Musikplayer schalte ich schon in Gedanken zum nächsten Lied über. Es reicht jetzt, ich klingel bei ihm.

Er macht nicht auf, dieser faule Hund. Der pennt bestimmt noch. Nur dieser dumme Song „There is snow in your eyes“. Da Di Di Da Dee „snow in your eyes. You are really hypnoticed“. Man ey, der kann sich was anhören. Doch hier kann ich sturmklingeln wie ich möchte – er macht einfach nicht auf.

Oh! Da kommt gerade meine Nachbarin, der werd ich jetzt erstmal meine Meinung pfeifen. Ach, sie nimmt mir ja schon alles vorweg: „ Willst du dich auch bei dem Kerl beschweren? Ich kanns jetzt langsam nicht mehr hören. Also ich bin ja geduldig – aber das?“

„Das Problem ist nur das er nicht auf macht.“

„Immer noch nicht? Ich habe es vorhin auch schon probiert.“

„Komm lass uns den Hausmeister holen und uns beschweren. Mir reichts.“

Und mein Kopf spielt weiter und freudig diverse Songs einer 1001 – Nacht ab. „This fealing is you mistake … yes a mistake and you can`t change …“

„Was singst du denn da?“

„Ach egal. Komm wir holen schnell den Hausmeister und dann ist das auch hoffentlich in meinem Kopf vorbei.“

 2.Abschnitt

Ja toll! Jetzt klingelt der Hausmeister genauso blöde wie wir auch. Dazu hätten wir ihn ja nicht holen brauchen.

„Er macht nicht auf.“

„Ja, bei der Erkenntnis waren wir auch schon angelangt.“

„Ich werde mal etwas unschön an die Tür klopfen: „Schalten sie die Musik ab. Es haben sich hier welche wegen Ruhebelästigung beschwert.“

Es rührt sich immer noch nichts. Was ist denn da los? Langsam kommen mir echt Zweifel auf, ob sich da überhaupt jemand im Zimmer befindet. Hat sich die Anlage etwa selbstständig gemacht und ist wie durch Geisterhand angesprungen? A ghost by my side is an other wide

„Vielleicht ist er gar nicht mehr da und hat nur vergessen seine Anlage auszumachen.“

„Ich könnte natürlich mit meinem Schlüssel aufmachen und schauen was los ist – aber das kann ich doch nicht einfach.“

„Jetzt machen sie schon die blöde Tür auf, sonst kann ich für nichts mehr garantieren.“

„Sie hat Recht. Machen sie auf. Da können wir den Kerl gleich mal unsere Meinung geigen.“

„Aber vielleicht hat er seine Gründe, warum er nicht aufmacht.“

„Ja, sind sie nun der Hausmeister oder nicht? Sie sind doch dazu da auch für Ruhe und Ordnung im Haus zu sorgen.“

Jetzt schaut er mich auch noch verwundert an … for a minewhile dancing in the … in the sky… „Jetzt machen sie dem endlich ein Ende.“

„Ist ja gut. Sie müssen mich ja nicht gleich so angeifern.“

Komm schon, komm schon – schließ auf du alter Knacker. Na endlich. So! Ich husche gleich am Hausmeister vorbei und dann kann der süße Wichser sich aber mein Ständchen anhören.

Man, das sieht hier aber echt ordentlich und sauber aus. Hätte den ja mal gar nicht so eingeschätzt. Vielleicht hat er extra sauber gemacht für Frauenbesuch. „Hahaha“

„Was gibs zu lachen?“

„Ach egal.“ Wo ist er denn nun. Ah dort am Schreibtisch.

„Na du kannst dir jetzt aber was von mir anhören Freundchen. Weißt du das ich mich die ganze Nacht mit deinem Schrott- Album rum geplagt habe. Was ist das eigentlich? Trash für Minderbemittelte? Drehst du dich vielleicht mal um, wenn ich mit dir rede.“

Jetzt reichts aber. Der scheint sich wohl echt was auf sein Ego einzubilden. Sitzt dort gemütlich am Schreibtisch und kehrt uns seinen breiten, sexy Rücken zu. Und wegen ihm die ganze Zeit diese Musik .You will be suprized … suprized when you see my eyes …

„Jetzt schau mich an wenn ich mit dir … Aaaahhhh … Oh mein Gott….“

Zurück! Ich fass es nicht. Kann das jetzt wirklich sein?

„Was schaust du so entgeistert?“

„Er ist tot.“

 3.Abschnitt

Ich sinke auf sein Bett zurück. Ich kann es nicht fassen. … midnight so early … midnight my time…

Alles ist wie in Trance. Ich sehe den Hausmeister und das Mädchen, wie sie raus rennen um Hilfe zu rufen. Ich sehe bald entsetzte und zugleich gierige Gesichter, die die Sensation sehen wollen. Manche sehen mich so an, als hätte ich es getan – als wäre ich an allem Schuld.

Irgendwann kommt der Notdienst, der nur noch den Kopf schüttelt. Und ich sitze die ganze Zeit nur da und singe leise diese Songs, die sich unendlich in mich eingebrannt haben. Ich wiege mich auf dem Bett. Die anderen schauen mich wie blöde an – fragen sich wohl, wie ich jetzt noch was singen kann. Doch mir geht so viel mit einem Mal durch den Kopf. Dann sagt irgendeiner etwas von: „Selbstmord.“

Er hat sich also umgebracht. Umgebracht.

Ich liege auf seinem Bett und bemerke wie die Leute nach und nach hinaus geschickt werden. Er wird fort getragen und der Raum ist bald leer.

Doch ich liege noch hier, als hätte man mich vergessen. Und auch die Anlage läuft immer noch – etwas leiser, weil sie runter gedreht wurde.

So liege ich also hier, wohl immer noch benommen, von dem was geschehen war.

Ich singe die Songs leise mit.

„It is magical that we live … live here and now“

Das Album beginnt von neuem.

Ich singe mit – komme nur bis zum zweiten Lied.

Ich war eingeschlafen.

Skydog 10.1.2014

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Warum geht sie fremd?

Warum betrügt sie mich?

Tue ruhig so, als ob du mich mögen würdest. Ich kann dein Maskenspiel hinterschauen. Ich weiß das du nur ein was willst, du Hure. Und du bist dir auch nicht zu fein mit meinen Nachbarn fremd zu gehen. Und abends kommst du dann wieder bei mir an, schmeichelst mir und möchtest wieder ein wenig kuscheln. Zu mir kommst du nur, um mal kurz guten Morgen zu sagen und dann ruft schon wieder deine Begierde, du wildes Tier. Nicht das ich etwas dagegen hätte. Aber besteht unsere Beziehung nur aus deinen nicht stillbaren Bedürfnis? Sonst ist da nichts? Eine Beziehung ohne Liebe? Was ist das schon?

Soll ich dir mal was sagen: „Ich liebe dich“, und du weißt das es für manche Männer schwer ist, diese drei Wörter auszusprechen.

Ich glaube du jedoch liebst mich nicht. Du rennst ja zum Nachbarn und der gibt dir dann was du brauchst. Der machts dir dann, nicht wahr. Und ich? Ich bekomme dann eine kleine Kuschelrunde abends aus Mitleid.

Ich hatte überall die Hunderte von Metern Discounterregale nach den besten Liebesdrogen durchsucht. Doch Liebe mit dem gewissen Geschmack gibt es eben leider nicht.

Liebe mit Sahne, Liebe in Aspic oder mit Billy Boy, gibt es ja alles.

Aber Liebe mit Thunfischgeschmack oder was ja auch noch gerne genommen wird: Wild oder Pute? Vergiss es!

Wie kann man dein Herz gewinnen?

Wenn du mich nicht liebst, warum bist du dann noch hier?

Wieso leben wir noch zusammen?

Ich bin verliebt in dich. Das ist es doch.

Deine Augen, aber auch in deine sanfte Art bin ich vernarrt. Ich bin verliebt in deine geschmeidigen Beine und dein weiches Fell. Ich liebe dein Lächeln und deine kleinen Pfoten, die mich durch die Nacht hindurch massieren.

Wie gewinnt man das Herz seiner Katze? Hat man es vielleicht schon längst gewonnen, durch einen kurzen Klick einer neuen Futterdose?

Aber warum rennt Jessy dann zu meinen Nachbarn und holt sich ihre Extraration Liebe ab? Hauptsache Futter, stimmts!

 

Aber vielleicht sehe ich das mit dem Futter auch etwas verbissen. Immerhin schläfst du bei mir, massierst mich mit deinen Pfoten und schnurrst nur für mich. Obwohl? Du wirst auch den Nachbarn ein schönes Liedchen schnurren, solange er dir gibt was du begierig brauchst.

Doch ich glaube, dir fehlt es an nichts, mein gutes Tier.

Eher ich sollte mal eine frische Dose Futter essen, die nach frischer Verliebtheit schmeckt.

 

SKYDOG90                                                                                                     19.MAI 2011

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Darf Demokratie töten? – Osama Bin Laden

Darf Demokratie töten? – Osama Bin Laden – 

 Es ist noch nicht ganz zehn Jahre her, da konnten wir alle unsere Augen nicht trauen. Ich kam damals gerade aus der Stadt mit dem Rad und meine Mutter sagte mir es sei etwas ganz schreckliches passiert. Ich dachte schon, dass meine Mutter mal wieder extrem übertreiben würde und einen Elefanten aus einer Maus gezaubert hätte. Als ich dann die Bilder im Fernsehen sah, war mir das aber nicht mehr einerlei. Damals war ich elf Jahre und nun ist das beinahe zehn Jahre her.

 Einer der großen Drahtzieher ist nun getötet wurden und als erste Reaktion kam auch in mir der Gedanke auf: „Endlich haben sie den.“

 Über Jahre hatte man es verfolgt – Osama Bin Laden würde hier und dort gesucht werden und überhaupt sprach man auf einmal von der großen Gefahr des Terrorismus und seine ständige, gefährliche Gegenwärtigkeit. Der Terrorismus war nun irgendwie immer da, aber dann auch wieder nicht. Man nahm die Bombendrohungen ernster als vorher.

Und nun?

 Nun ist Osama Bin Laden getötet worden. Doch es wäre eine Illusion wenn nun die Gefahr durch den Terrorismus sein Ende finden würde. So wie damals der Terrorismus auf einmal für uns immer wieder gegenwärtig wurde, so wird er es auch ohne Bin Laden bleiben.

 Eine Genugtuung ist es, besonders für die Familien der Opfer des „Elften Septembers“.Doch Bin Laden war weder alleiniger Täter, noch ist klar ob die Tötung Bin Ladens nicht sogar neue Gewalt des Terrorismus schürt.

Jubelnde Menschen durchziehen die Straßen in den USA. Endlich hat man ihn erwischt. Aber ermordet? Man hört einige Menschen dort sagen, sie wöllten nichts als die Rache für das was Osama Bin Laden den USA angetan hätte. Sie seien jetzt zufrieden, dass dieser Verbrecher nun endlich gerichtet wurde.

Doch wieso schmücken sich die USA mit Recht und Demokratie, wenn sie so rigoros einen Menschen richten. Bin Laden war einer der übelsten Verbrecher auf Erden, doch hat nicht jeder nach demokratischen Regeln einen fairen Prozess verdient – selbst ein Terrorist, der das demokratische System verachtet?

 Die demokratischen Rechte gelten allgemein für jeden Menschen.

 Doch ist wohl irgendwann selbst die demokratische Schmerzgrenze erreicht? Wollen wir irgendwann nicht mehr jeden demokratische Rechte zugestehen?

 Den Jubel der Amerikaner kann man einerseits verstehen. Doch man hört eben auch Wörter die keine andere Bereitschaft zeigen als Aggression, Rache, gar Vergeltung, und zwar auf Seiten der Amerikaner.

 Es ist eine Illusion das der Terrorismus nun zu Ende geht.

Ebenso ist es eine Illusion das Demokratie nicht tötet und im Falle Bin Ladens richtet, ohne jedes Recht und ohne jeden Wert für den sie eintritt.

 Oder warum verteidigen wir die Demokratie gegen Terrorismus?

 SKYDOG90                                                                                                 02.Mai 2011

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Eine Hochzeit NICHT wie jede andere

Eine Hochzeit nicht wie jede andere

Wie kann man dieses Gefühl beschreiben, welches man empfindet wenn dieses Brautpaar voller Würden im Westminster Abbey weilt, schreitet und dann auch noch heiratet. Was mag uns so faszinieren, was imponiert uns so sehr an einer wahrhaft königlichen Hochzeit? Ist es nicht irgendwie eine Art von Nostalgie, eine Sehnsucht in eine vergangen Welt, die von uns oft einfach nur als hübsche, bunte Märchenwelt erträumt wird? Sind wir nicht voller romantisierter Vorstellungen?

Die Märchen sind voller wunderbar hübscher Prinzessinnen und Prinzen und die Liebe zwischen diesen ist immer die Idealvorstellung und eine herrliche Hochzeit das Idealziel.

William und Kate erinnern uns nicht nur an ein kunterbuntes Märchen, in dem am Ende alles gut aus geht, sondern auch an unsere Vergangenheit.

In uns steckt immer noch diese Begeisterung, die auf kommt, wenn man diesen Moment voller Würde und Erhabenheit zumindest im Fernsehen ergreifen kann. Wie musste es dann erst dort sei, im Westminster Abbey, wenn man die Idealvorstellung live und sozusagen zum „anfassen“ mit erleben konnte?

Viele mögen sich wohl auch an die Hochzeit von Diana und Charles 1982 erinnert fühlen, wobei die Heirat zwischen Kate und William eine wirklich liebevolle ist.

Und doch hat e ja eben auch etwas unwirkliches an sich, wenn man unsere moderne Welt, unsere Technik und unsere Möglichkeiten der globalen Kommunikation betrachtet. Nicht nur die Uniformen und die allgemein festliche Szenerie mit viel Prunk, Gold und Gehabe, suggeriert den Eindruck einer erträumten Welt – eine Zeit mit Prinzen, Prinzessinnen und der wohl perfekten Liebe.

Und das britische Volk jubelt dem Traume zu.

Eine herrschaftliche Kavellerie, mit glänzenden goldenen Hauben, reitet dem jungen, frisch vermählten Paar hinterher, das etwas schüchtern aber doch erfreut tausende von Passanten begrüßen. Ein lautes Meer der Leute bejubelt, nicht etwa die Queen Elisabeth, sondern einzig und allein die glücklich Verheirateten.

Eine breite Allee, gesäumt von Masten mit riesigen britischen Flaggen überheben diese würdevolle Stimmung. Was für eine Ehre muss dies sein in dieser Kutsche zu sitzen und sich bewusst zu sein, das ein enormer Teil der Menschheit begeistert vor diesen Bildern angespannt steht. Oder ist das für das Paar etwa schon Normalität, – diese Aufmerksamkeit?

Wie viele fühlen sich wohl in diese wunderbare Märchenwelt versetzt?

Ist es vielleicht diese Ehre und Würde, die uns an eine alte vergangene Zeit erinnert und von der in unserer heutigen Politik eigentlich nichts mehr vorhanden ist. Man verbindet mit diesen königlichen Würden ja auch eine gewisse Steifheit und Konservativität, die heutzutage ja mehr als nur nötig als ein Grundübel dargestellt wird.

Ein Volk feiert und ein Teil der Welt feiert mit. Warum wir dies tun, mag in unserem innersten Märchen verborgen bleiben.

Skydog90 29.04.2011

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Fernab der Realität – das hier ist nicht Japan

Fernab der Realität – das hier ist nicht Japan

In meinen Kopf nur dieses eine Wort – Fukushima. Vergesse ich das da noch etwas anderes war? – Fukushima. Fernab sitze ich hier, weit weg – Fukushima. Doch gibt es nicht nur Fukushima, sondern auch noch andere Reaktoren. Diese sind auch alle fernab, tausende Kilometer entfernt. Warum mache ich mir dann Sorgen?

Gemütlich vor dem Fernseher, schaue auf N-TV. Eine Minute lang sollen Bilder des Tsunamis und der Riesenwelle, wunderbar einfach mit gefühlvoller Musik unterlegt, auf die Tränendrüse drücken. Danach kommt die gleiche dümmliche Werbung wie an jeden anderen beliebigen Tag. Das geht länger als eine Minute.

Eine Minute können wir Mitgefühl zeigen und danach geht es zur Alltagsordnung über?

Das man nach diesen Ereignissen nicht einfach zur Tagesordnung über gehen kann hat unsere Bundeskanzlerin Merkel bewiesen. Die Laufzeitverlängerung sei für drei Monate ausgesetzt, jeder Atommeiler soll in Deutschland nochmals geprüft werden und die ältesten Kraftwerke wie Neckarwestheim und Isar I möglichst bald vom Netz genommen werden.

Flutwellen die sich durch ein Häusermeer brechen – man kann eigentlich nicht glauben was man dort auf wenigen, immer wiederholten Bildern sieht . Man sitzt zu Hause bei Kaffee und Kuchen und scheint schockiert, schaltet dann aber auch einfach mal um, weil man es nicht mehr sehen kann. Man kann die Katastrophe nicht mehr sehen. Man möchte den „Beinahegau“ , den „Noch – gar – nicht – Gau“ oder den „Wie – auch – immer – Gau“ nicht mehr sehen. Man möchte sein eigenes kleines Leben weiter führen. Am schlimmsten ist jedoch immer der Hintergedanke im Kopf: „Da war etwas. Du weißt es genau. Du kannst es nicht verdrängen.“

Oder man möchte es ganz anders, nämlich radikal. Man möchte schockiert sein und jede Katastrophenmeldung in sich aufsaugen bis man umfällt, weil man keine Luft mehr bekommt. Wie viele Leute sind auf diese Weise schon tragischerweise gestorben?

Verblüffend ist doch wie gelassen die Japaner mit ihrer Katastrophe umgehen. Sie seien ja sozusagen erprobt wenn es um Erdbeben geht. Wenn an einer Stelle der Erde vier Kontinentalplatten aufeinander treffen, muss die Bevölkerung nicht nur gewarnt, sondern auch psychisch gerüstet sein. Dies scheint die japanische Bevölkerung durchaus zu sein.

Doch diese Tatsache täuscht nicht hinweg über das Ausmaß der Katastrophe, welches auch noch nicht abzusehen. Besonders die Berichte über die Atommeiler erregen die Sorge. Die Lage spitzt sich weiter zu und man selber wird unruhig, auch wenn Experten meinen in Europa sei man relativ sicher, wenn es zu einen Gau kommen könnte. Andere beschreiben wieder das glatte Gegenteil. Als Laie weiß man natürlich wieder überhaupt nicht was Sache ist.

Die Nacht kommt und morgen beginnt dann eben wieder ein neuer Tag, auch in Japan. Japan ist zu weit weg und meine Vorstellung hat wenig mit der dortigen Realität zu tun.

Skydog90     14.3.2011

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Guttenberg und sein heißer Brei

Guttenberg und sein heißer Brei

Nun wird nicht mehr um den heißen Brei geredet, Herr Guttenberg. Nun ist es beschlossene Sache und sie haben diesen Schritt selbst begangen. Das dieser Schritt jedoch schon längst von Nöten war, wird ihnen doch hoffentlich klar sein.

Es scheint so als ob der Herr Guttenberg gerade in letzter Sekunde sein sinkendes Schiff verließ. Der Druck auf ihn wurde immer stärker, nicht nur die Opposition forderte den Rücktritt, sondern auch zuletzt waren es einstige Bewunderer aus den eigenen Reihen die heftige Kritik an Guttenberg verlauten ließen.

Es hatte ja eigentlich den Anschein eines schlechten Märchens wie lieb, zart und leichtfertig mit der Plagiataffäre umgegangen wurde. Der Prinz in diesen Märchen, auch wenn Guttenberg nicht wirklich Prinz ist, beteuerte das an seiner Arbeit nichts verwerfliches sei und die Vorwürfe abstrus. Merkel, die gute Königin in unseren üblen Märchen, stellte sich selbst hinter ihren loyalen Prinzen Guttenberg, als die Vorwürfe heftiger und deftiger wurden, wie der Brei, über den Guttenberg eigentlich nicht mehr reden wollte.

Aber das war es doch was geschah – es wurde diskutiert, besprochen und Gutternberg schien nur widerwillig die Vorwürfe zu bestätigen. Wurden die Vorwürfe erst als abstrus abgewiesen, so steigerte sich dieses dramatische Märchen von netten, kleinen, feinen Zugeständnissen zu knallharter Reue und Schuldeingeständnissen vom Prinzen Guttenberg am Ende unseres Märchens. Doch bevor es so weit war, musste sich erst noch das Volk im Märchenland zu Wort melden. Tausende Wissenschaftler und Doktoranden forderten den Respekt für ihre Arbeit und zeigten unseren Prinzen nicht nur den nackten Schuh.

„Wie glaubwürdig ist Politik und Wissenschaft, wenn Guttenbergs Plagiataffäre als Lappalie abgestempelt wird“, war die zentrale Frage?

Es hinterlässt einen schlechten Eindruck nicht nur auf den Minister, sondern auf die Politik und Deutschland allgemein. Merkel stellte sich leichtfertig hinter Gutternberg. Sie hatte es damit begründet das sie ja keinen wissenschaftlichen Arbeiter angestellt hätte, sondern einen Minister. Doch selbst ein Prinz hat in einen Märchen eine bestimmte Aufgabe, wie eben auch Verantwortung zu übernehmen. Ein Prinz muss Drachen besiegen, hübsche Prinzessinnen wach küssen, aber auch zu einer unbesonnenen Tat stehen, bei der nicht erst um den heißen Brei geredet werden muss. Das dramatische Ende dieses Märchens ist nicht nur der Rücktritt von Guttenberg, sondern viel mehr der Schaden der angerichtet wurde, wenn es um die Rolle der Wissenschaft, ihre Wichtigkeit auch in der Politik und ihre Glaubwürdigkeit geht.

Dieses Märchen hat zwar ein wenig rühmliches Ende genommen, der Prinz musste weichen und hat alles andere als Ruhm geerntet. Man wird aber bestimmt irgendwann in ein paar Jahren wieder von diesem Gutternberg hören. Märchen hört man doch auch immer gerne öfter. So ist es zumindest bei Kindern

Skydog90      1.3.2011

 

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Gaddafis Reich zwischen den Fronten

Gaddafis Reich zwischen den Fronten

 

Zu welcher Wirklichkeit gehört diese Entwicklung noch? Nun ist es Libyen das in der Reihe der Revolutionen der arabischen Welt folgt. Libyen unterscheidet sich jedoch sehr von seinen westlichen Nachbarn Tunesien und seinen östlichen Anrainer Ägypten. Gaddafis Reich ist ein System des Terrors und der willkürlichen Gewalt. Wer sich gegen das System Gaddafis richtet wird kurzerhand hingerichtet. Das System muss sich durch Brutalität und Terror behaupten, da es keinen anderen Rückhalt mehr genießt.

Doch nun scheinen die blutigen Mauern der Schreckensherrschafft zu bröckeln. Wie auch in Ägypten und Tunesien ist zu beobachten das Teile der Armee zu den Aufständischen über laufen. Nun scheint sich bald wieder ein Despot von der politischen Bühne verabschieden zu müssen. Möge man vielleicht  sehr erfreut über die Umstürze in den arabischen Ländern sein, da sich dort die Bevölkerung gerade von ungerechten Systemen befreit und erlöste und im Falle von Libyen sich von einen Tyrannen befreien möchte. Doch diese Entwicklung im  arabischen Raum geht so rasant von statten das man es eigentlich jetzt schon nicht mehr genau einschätzen kann. Die Folgen werden erst wohl wieder im Nachhinein sichtbar. Ob sie schwer wiegend sind oder weniger ist noch nicht einzuschätzen.

War es im Januar Tunesien und Februar Ägypten und Libyen, so wird es im März vielleicht der Jemen sein. In all diesen Ländern kam oder kommt es zum Sturz von autoritären Systemen die seit Jahrzehnten regierten. Darin liegt gerade die Gefahr. Mögen wir für diese Länder Sympathie empfinden und auch eine Demokratisierung erhoffen, so ist die Chance auch groß das es zu einer Neuauflage von Regimen kommt und vielleicht auch zu einer Radikalisierung der Systeme. Es ist anzunehmen das der Wille der dortigen Bevölkerung ein anderer ist als der Wille der jetzigen Machthaber, möge es in Tunesien oder Ägypten sein. Jedes dieser Länder hat natürlich auch seine ganz spezifischen eigenen Vorrausetzungen für bevorstehende Entwicklungen. Zudem müssen wir uns von dem Glauben verabschieden das wir dies vielleicht nur über den Benzinpreis zu spüren bekommen werden.

 

SKYDOG90  23.2.2011

 

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